Fangfragen Bewerbungsgespräch: Tappen Sie nicht in die Falle

Fangfragen Vorstellungsgespräch
Haben Sie auf alle Fragen eine Antwort?

Das Bewerbungsgespräch stellt sowohl für Berufsanfänger, als auch für Erfahrene Kandidaten eine Herausforderung dar. Selbst mit einem angenehmen Gegenüber handelt es sich um eine Prüfungssituation. Sie müssen in kürzester Zeit nicht nur menschlich, sondern auch fachlich überzeugen. Manchmal ist der Gesprächspartner zudem gar nicht angenehm und stellt schwierige Fragen, oder Sie befinden sich in einer Runde, die Ihnen verschiedene Aufgaben stellt. Gerade Fangfragen im Bewerbungsgespräch haben die Eigenschaft, Sie schnell aus der Ruhe zu bringen und emotionale Antworten zu provozieren. Doch dann ist es mit der positiven Einstellung und einer überzeugenden Ausstrahlung vorbei. Vor diesem Dilemma stehen viele Bewerber. Wie sollen Sie mit Fangfragen umgehen, was ist die beste Strategie?

Fakt ist: Es besteht ein schmaler Grat zwischen Fangfragen und einem respektlosen Verhalten. Während ersteres routinemäßig in Bewerbungsgesprächen eingesetzt wird, um Kandidaten auf den Zahn zu fühlen, sollte Letztes nicht toleriert werden. Hier erfahren Sie nicht nur, wie Sie dazwischen unterscheiden, sondern auch, wie Sie angemessen reagieren. Außerdem werden Ihnen die Top-10 Fangfragen in Bewerbungsgesprächen vorgestellt inklusive möglicher Antworten. So erkennen Sie im nächsten Vorstellungsgespräch direkt um was es geht und lassen sich nicht mehr aus der Ruhe bringen.

Aber was genau sind die Zeichen, an denen Sie eine Fangfrage erkennen? Was ist, wenn Sie sich plötzlich unwohl fühlen? Gibt es bestimmte Verhaltensweisen, die Ihnen dabei helfen, Fangfragen besser zu beantworten? Welche Fehler können Ihnen passieren und worauf müssen Sie achten? Gibt es Standardantworten oder sollten Sie aus dem Affekt heraus antworten? Rund um diese Fragen finden Sie hier Antworten. So können Sie sich im nächsten Vorstellungsgespräch entspannt zurück lehnen und auf jede Frage die perfekte Antwort liefern.

Fangfragen Bewerbungsgespräch: Taktik oder Kritik?

Emotionen gehören zu einem Vorstellungsgespräch dazu. Ob es die Nervosität davor ist, die positive Anspannung während des Gesprächs, oder auch die Unsicherheit bei der ersten Begegnung: Selbst erfahrene Kandidaten müssen damit umgehen. Dabei existiert allerdings ein Unterschied zwischen bewussten Emotionen und einem emotionalen Gespräch. Das Letztere ist für ein professionelles Gespräch eher hinderlich. Genau daran erkennen Sie auch, ob es sich tatsächlich um eine Fangfrage, oder um respektloses Verhalten handelt. Die folgenden Merkmale zeigen Ihnen, welche Situation zutrifft.

#1 Fangfragen als Gesprächstaktik

Die folgenden Merkmale weisen auf ein normales, positives Vorstellungsgespräch hin. Hier gilt es zu knobeln, bis Sie die richtige Antwort auf die Fangfrage gefunden haben. Dieser Prozess dient als Generalprobe für den richtigen Job, in dem auf Sie ebenfalls schwierige Aufgaben warten.

  • Ihr Gegenüber wartet ab und respektiert Ihren Denkprozess, bis Sie die geeignete Antwort für die schwierige Frage gefunden haben.
  • Ihr Gesprächspartner wird gerne mit in den Lösungsprozess mit eingebunden und hilft Ihnen bei der Entscheidungsfindung.
  • Es herrscht weiterhin ein positiver und respektvoller Ton.
  • Sie dürfen Rückfragen stellen, falls Sie die Frage nicht verstanden haben.

#2 Fangfragen in einem kritischen Rahmen

Im Gegensatz zu dem anderen Szenario fühlen Sie sich bei den folgenden Verhaltensweisen unwohl. Das Verhalten Ihres Gegenübers zeigt, wie Sie auch in Zukunft Aufgaben alleine lösen müssen und was Sie im Job erwartet. Persönliche Fragen sind laut Arbeitsschutzgesetz zudem nicht erlaubt.

  • Sie werden mit einer Frage nach der nächsten bombardiert, obwohl Sie die erste noch nicht beantwortet haben.
  • Ihr Gegenüber reagiert bei einer falschen Antwort negativ emotional oder abwertend.
  • Sie werden – auch räumlich – alleine gelassen, bis Sie eine Antwort gefunden haben.
  • Es werden Fragen zu Ihrer ethnischen Herkunft, Ihrem Beziehungsstatus oder Ihrer finanziellen Situation gestellt.
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Fangfragen richtig parieren: 5 Tipps für die beste Strategie

Sie wissen nun, wie Sie Fangfragen von respektlosem Verhalten unterscheiden können. Für den positiven, ersten Fall gibt es einige Strategien, die Ihnen dabei helfen, eine Fangfrage gelassen zu beantworten. Egal, welche Frage Ihnen gestellt wird: Mit der richtigen Vorbereitung können Sie geschickt kontern.

  1. Kommunizieren Sie Ihre Denkprozesse. Eine Fangfrage mit einem einfachen Satz zu beantworten, ist möglich, aber nicht die beste Entscheidung. Kommunizieren Sie daher, wie Sie zu Ihrer Antwort gekommen sind. Erinnern Sie sich auch daran, dass Ihre Worte von Ihrem Gegenüber nach Schulz von Thun gänzlich anders aufgefasst werden können.
  2. Bleiben Sie ehrlich. Auch wenn es schwer fällt: Gerade bei Fangfragen hinsichtlich Ihrer Arbeitseinstellung sollten Sie kein falsches Bild von sich abgeben, sondern Ihre wirkliche Einstellung in diplomatische Worte verpacken. Spätestens im Job müssen Sie dafür gerade stehen.
  3. Stellen Sie Fragen. Trauen Sie sich, Rückfragen zu stellen, falls Sie die Frage nicht verstanden haben oder falls Ihnen Informationen fehlen. Manche Fangfragen zielen genau darauf ab.
  4. Lassen Sie sich Zeit. Ein Vorstellungsgespräch ist ein Marathon, kein Sprint. Lassen Sie sich nicht zu einer Antwort drängen, sondern denken Sie in Ruhe nach.
  5. Lassen Sie sich nicht provozieren. Manche Fangfragen haben emotionales Potential. Genau darum geht es allerdings: Es wird geprüft, wie sehr Sie sich unter Kontrolle haben. Setzen Sie hier nichts aufs Spiel und bleiben Sie gelassen.

Diese fünf Tipps können nicht von heute auf morgen umgesetzt werden. Probieren Sie daher, diese Verhaltensweisen schon in der alltäglichen Kommunikation auszuprobieren. So fällt es Ihnen in der konkreten Situation des Vorstellungsgespräches einfacher.

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Top-10 Fangfragen: So könnten Sie antworten

Auch wenn Sie jetzt alles rund um das Thema Fangfragen an theoretischen Kenntnissen haben, gilt es auch, praktische Beispiele kennen zu lernen. Manche Fragen wollen einfach vorbereitet werden. Die folgenden 10 Beispiele helfen Ihnen dabei.

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#1 Was ist Ihr größter Fehler?

Ehrlichkeit ist wichtig, hier geht es allerdings nicht darum, eine Beichte abzulegen. Von Ihrem Gegenüber ist nämlich keine Absolution zu erwarten. Überlegen Sie sich daher vor dem Gespräch, welchen Fehler Sie nennen können, der nicht gleichzeitig das Aus für Ihre Bewerbung bedeutet. Aber Vorsicht: Lustige Anekdoten oder kleine Missgeschicke sind hier nicht erwünscht. Es geht um eine reflektierte Einschätzung von Erfahrungen, aus denen Sie gelernt haben.

#2 Welche positiven Charaktereigenschaften fehlen Ihnen?

Auch bei dieser Frage geht es darum zu erfahren, wie reflektiert Sie an das neue Arbeitsverhältnis gehen. Jeder Kandidat verfügt über gute Eigenschaften. Wie es mit den Fehlenden aussieht, ist eher Unbekannt. Nutzen Sie die Zeit vor dem Vorstellungsgespräch und bereiten Sie diese Frage vor. Wichtig ist, hier ausbaufähige statt fehlende Charaktereigenschaften zu nennen und vor allem die Eigenschaften in der Stellenbeschreibung auszusparen.

#3 Was hat dieses Unternehmen davon, Sie einzustellen?

Diese Frage klingt auf den ersten Blick provozierend. Ist das nicht aus Ihren Unterlagen klar erkennbar? Warum sitzen Sie überhaupt im Vorstellungsgespräch, wenn Sie kein Potential haben? Diese Frage zielt eher darauf ab, Ihre Sachlichkeit zu prüfen. Nehmen Sie diese Frage daher auf der Informationsebene wahr und kontern Sie mit schlagkräftigen Argumenten. Das ist die beste Strategie.

#4 Wie empfinden Sie dieses Gespräch?

Diese Frage ist eine Falle. Es ist so einfach, an dieser Stelle Ihren Gesprächspartner, das Unternehmen und auch sich selbst zu loben. Aber das ist keine gute Idee. In diesem Fall sollten Sie das Gespräch direkt wieder zurück auf die Sachebene bringen und vielleicht sogar mit einem Augenzwinkern zu verstehen geben, dass Sie die Fangfrage als solche enttarnt haben.

#5 Welche Rolle spielt Geld für Sie?

Bei dieser Frage geraten Kandidaten oft in die Verteidigungsrolle. Sollten Sie nicht froh sein, diesen Job machen zu dürfen? Und schließlich geht es doch im Grunde um die Sinnhaftigkeit der Arbeit, oder? Weit gefehlt. Auch das Unternehmen, in dem Sie gerade sitzen, ist auf Gewinne aus. Der Lohn, den Sie erhalten, ist die direkteste Art der Wertschätzung und diese sollte entsprechend ausfallen. Erläutern Sie daher sachlich, dass Sie den Job zwar nicht nur wegen des Geldes machen, aber trotzdem eine angemessene Entlohnung erwarten.

#6 Auf welche Frage in diesem Gespräch waren Sie nicht vorbereitet?

Mit dieser Frage soll eingeschätzt werden, wie gut Ihre Selbstwahrnehmung ist. In den meisten Fällen hat Ihr Gegenüber längst festgestellt, mit welcher Frage Sie überrascht wurden. Daher gilt es, das Gespräch kurz zu durchdenken und eine ehrliche Antwort zu geben. Wenn Sie allerdings auf jede Frage eine Antwort parat hatten, dann dürfen Sie das auch ruhig sagen. Oder Sie können humorvoll kontern: „Genau auf diese Frage war ich nicht vorbereitet.“

#7 Wie reagieren Sie auf Kritik?

Falsch wäre an dieser Stelle, den absoluten Sonnenschein zu mimen und Kritik lediglich als Instrument zum Wachsen zu betonen. So reagiert in der Realität nämlich niemand. Kritik löst immer negative Gefühle aus, es geht nur darum, wie Sie damit umgehen. Genau das können Sie antworten: „Kritik ist selbstverständlich nie angenehm, aber ich versuche jedes Mal den wahren Kern zu finden und daraus zu lernen.“

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#8 Warum möchten Sie für uns arbeiten?

Diese Frage klingt auf den ersten Blick gar nicht wie eine Fangfrage. So werden Sie automatisch dazu verleitet, das Unternehmen und den Job zu loben. Darum geht es allerdings nicht. Hier geht es darum, Ihrem Gegenüber mitzuteilen, wie Sie Ihre Fähigkeiten und Kompetenzen konkret in Ihrem neuen Arbeitsumfeld einsetzen wollen. So zeigen Sie, dass Sie keinen Traumschlössern Nachträumen, sondern realistische Vorstellungen vom Arbeitsalltag mitbringen.

#9 Warum sind Gullydeckel rund?

Diese Frage ist ein Klassiker und hinterlässt immer wieder fragende Gesichter. Tatsächlich gehört die Antwort auf diese Frage nicht zum Allgemeinwissen. Hier geht es darum, Ihre Kreativität und Vorstellungskraft zu testen. Beziehen Sie Ihren Gesprächspartner in Ihre Überlegungen mit ein und erklären Sie jeden Gedankenschritt. So zeigen Sie praktisch, wie Sie mit Schwierigkeiten im Job umgehen. Gullydeckel sind übrigens rund, weil die Schächte es ebenfalls sind.

#10 Wie viele Kinder wurden letztes Jahr in China geboren?

Auch diese Frage gehört nicht zum Allgemeinwissen. Die Population in China allerdings schon. Deswegen geht es bei dieser Fangfrage darum, Ihre Fähigkeit zum Einschätzen zu testen. In China leben aktuell ca. 1,4 Milliarden Menschen. Und nun schätzen Sie einmal fröhlich. Genau darum geht es: Sich nicht entmutigen lassen und Aussagen treffen! Vergessen Sie nicht, den gesamten Kreis mit einzubeziehen.

Schaffen Sie auch das Vorstellungsgespräch? Diese Fragen kommen im Vorstellungsgespräch auf Sie zu!

Diese Fragen kommen im Vorstellungsgespräch auf Sie zu! Wiie schwer oder leicht fällt Ihnen die Antwort?

Fangfragen Bewerbungsgespräch: Vorbereitung ist alles!

Wie Sie vielleicht gemerkt haben: Bei Fangfragen geht es zuallererst um Ihre Einstellung, nicht um Ihr Wissen. Der Personaler will Sie aus der Reserve locken, um Ihren Charakter kennenzulernen. Aus diesem Grund können Sie Fangfragen oft auch nicht direkt vorbereiten. Aber Sie können Gesprächsführung und Selbstkontrolle trainieren. Das ist der wichtigste Schritt zur Beantwortung von Fangfragen. Viel Erfolg!